Weihnachtsgebäck aus der Toskana

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Weihnachtsgebäck aus der Toskana

Zum typischen Weihnachtsgebäck aus der Toskana zählen Panforte, Ricciarelli, Cavallucci, Cantuccini sowie die eher unbekannten Brigidini di Lamprecchio und die Copate Senesi. Stolz sind die Senesen, dass fast alle Weihnachtsgebäcke aus Siena stammen, was wohl auch kein Zufall zu sein scheint. Im Mittelalter war Siena eine wichtige Poststation für alle aus dem Osten Reisenden, was dazu geführt hat, dass die lokalen Traditionen sich mit den orientalischen Gewürzen mischten. Das beste Beispiel dazu sind die Cavallucci sowie das Panforte.

Cavallucci - typisches toskanisches Gebäck

Cavallucci – typisches toskanisches Gebäck

Wie aus historischen Dokumenten aus dem Mittelalter hervorgeht, wurden die Cavallucci ursprünglich Berriguogoli genannt. Der heutige Name stammt von den Cavallai, den Pferdehütern an den Poststationen, unter denen dieses Gebäck sehr beliebt war. Die Hauptzutaten für dieses Weihnachtsgebäck sind Mehl, Zucker, Honig, Walnüsse, kandierte Früchte sowie Gewürze (Zimt, Anis, Muskatnuss, Koriander). Vom Aussehen sind die Cavallucci sehr rustikal. Wenn sie frisch sind, so ist ihre dünne Kruste leicht kross, während das Innere eine eher weiche Konsistenz hat. Typischerweise verkostet man die Cavalucci mit einem Vin Santo.

Panforte - typisches Gebäck aus Siena

Panforte – typisches Gebäck aus Siena

Auch das Panforte, das starke Brot, auch als Panpepato (gepfeffertes Brot) bezeichnet war laut historischer Dokumente bereits vor dem Jahre 1000 bekannt. Es wurde einst als Pane Natalizio, als Weihnachtsbrot bezeichnet und die Zubereitung dessen war allein den Apothekern der damaligen Zeit überlassen. Aufgrund der sehr teuren Zutaten wie Orangen-, Melonen- sowie Zitronatschale, Mandeln sowie für die damalige Zeit unglaublich teure Gewürze, war dieses Brot nur für den Adel, reiche Kaufleute oder Angehörige des Klerus bestimmt. Außen war das Brot von einem Pfeffermantel umgeben. Über die Jahrhunderte hinweg wurde die Rezeptur des Panforte nicht verändert. Erst als im Jahre 1879 die Königin Margherita zu Besuch in Siena war, wurde für sie eine ganz besondere Version hergestellt: das Panforte Margherita, anstatt des Pfeffers wurde dies außen von mit Vanille angereichtertem Puderzuckers umhüllt. Dieses Gewürzbrot ist das, was man heute als Panforte kaufen kann. Auch das Panforte liebt die Begleitung eines Vin Santo.

Ricciarelli - typisches Mandelgebäck aus Siena

Ricciarelli – typisches Mandelgebäck aus Siena

Die Ricciarelli sind ebenfalls sienesischer Herkunft. Es handelt sich hier um Mandelkekse, welche die Form eines Reiskorns haben. Neben süßen Mandeln sowie auch einem kleinen Anteil an Bittermandeln sind weitere Zutaten Zucker, Eiweiß. Einer Legende nach stammt der Name vom adligen Ricciardetto della Gherardesca, der auf seinem Rückweg von den Kreuzzügen dieses Rezept, wahrscheinlich arabischer Herkunft, mitbrachte. Eine andere Version besagt, dass der Name Ricciarelli auf sein ursprüngliches Aussehen zurückzuführen sei. Trotzdem scheint der Ausdruck eher aus jüngster Zeit zu stammen. In antiken Dokumenten ist von Morzellletti oder Marzapanetti die Rede. Wie dem auch sei, sie sind sehr delikat und einfach nur köstlich!

Copate Senesi

Copate Senesi – eine Spezialität aus Siena

Etwas weniger bekannt, auch recht schwer zu finden und auch nicht ganz billig sind die Copate Senesi, eine Spezialität aus Siena. Sie werden auch als Cupata, abgeleitet vom arabischen Qubbiat – mit Mandeln – und sind eine kreisförmige Oblate mit köstlicher Krokantfüllung. Die Copate sind entweder hell oder dunkel, mit Krokantfüllung aus Honig, Walnüssen, Anis. Der hellen Version werden neben Eiweiss gemahlene, geröstete Mandeln hinzugefügt, während die dunklen Copate anstatt des Eiweisses, Kakao enthalten. Heute findet man überwiegend im Handel die hellen Copate Senesi.

Cantuccini - Mandelgebäck aus Prato mit Vin Santo

Cantuccini – Mandelgebäck aus Prato mit Vin Santo

Die Cantuccini oder Cantucci, stammen urspünglich aus Prato, daher auch der Name Biscotti di Prato und sind wohl das berühmteste Weihnachtsgebäck der Toskana. Die Kekse werden zunächst wie ein Laib gebacken und sobald sie aus dem Ofen kommen in Scheiben geschnitten und noch einmal kurz im Ofen scheibenweise getrocknet. Die ältesten Dokumente dieses Rezeptes befinden sich im Staatsarchiv in Prato, von einem gewisseh Amadio Baldanzi, der im 18. Jahrhundert diese Kekse als Biscotti alla Genovese (nach Genueser Art) bezeichnete. Antonio Mattei, ein Konditor aus Prato, der diese köstlichen Kekse aus den einfachen Zutaten wie Mehl, Eiern, Mandeln und Pinienkernen bei der Weltausstellung in Paris vorstellte und für diese eine ganz besondere Auszeichnung erhielt. Teilweise sind die Cantuccini sehr hart und man taucht sie daher in den Vin Santo, was sie einmal weich macht und zum anderen ein absolutes Geschmackserlebnis ist. Allerdings bleiben Restkrümel im Wein zurück, wofür ein guter Vin santo fast zu schade ist. Die Cantuccini von Antonio Mattei (in einem blauen Beutel) findet man in zahlreichen Feinkostläden oder auch Cafès in der Toskana. Sie sind eine absolute Delikatesse, niemals zu hart, perfekt von der Konsistenz sowie aller Zutaten. Wenn man bedenkt, welch kostbare Zutaten (Pinienkerne und Mandeln) sie haben, sollten diese auch nur von einem wirklich guten Vin Santo begleitet werden.

Brigidini di Lamporecchio

Brigidini di Lamporecchio

Am wenigsten bekannt sind wohl die Brigidini di Lamporecchio stammen aus einem kleinen Dorf nahe Pistoia. Es handelt sich hier um sehr dünne, knusprige Aniswaffeln, welche vom Aussehen Kartoffelchips ähneln. Die Brigidini di Lamporeccho werden aus Zucker, Mehl, Eiern, Anis (meist aus Anisaroma, allerdings traditionell Anissamen) hergestellt. Man findet sie meist auf Jahrmärkten, Luna Park, Sagre oder an Ständen in der gesamten Toskana. Sie werden dort frisch zubereitet und anschließend in eine längliche, durchsichtige Plastiktüte verpackt. Die Brigidini sind wohl aufgrund eines Fehlers entstanden. Nonnen des Klosters Santa Brigida hatten anstatt der Oblaten fälschlicherweise Brigidini hergestellt. Daher also der Name und auch der Grund, weshalb diese nur in Lamporecchio bei Pistoia hergestellt werden.

Heute kann man all diese einstigen Weihnachtsköstlichkeiten das ganze Jahr über sowohl im Supermarkt als auch in Delikatessengeschäften oder direkt in der Konditorei kaufen. Etwas schwieriger wird es mit den Copate Senesi, die man fast nur in Siena bekommt. Als Alternative zum Vin Santo können auch andere italienische Dessertweine wie ein Moscadello di Montalcino Vendemmia Tardiva (Spätlese), ein Marsala, ein Passito di Pantelleria oder ein Moscato d’Asti verwendet werden. Deutsche Alternativen zu den italienischen Dessertweinen können auch ein Eiswein oder eine Trockenbeerenauslese sein. Natürlich sind alle Weihnachtsgebäcke auch köstlich zu einem Tee, Kaffee, Espresso oder Cappuccino….

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2 Kommentare

  1. wetzen jens 10 Dezember 2015 um 23:23 Uhr- Antworten

    Wo kann ich diese Cavallucci kaufen. Ich habe eine Tüte geschenkt bekommen und da war eine italienische email drauf da ich aber kein italienisch kann Bitte ich sie mir schreiben wo mann solche Leckerbissen kaufen kann aber bitte nur die originalen DANKE

    • Daniela Braun 11 Dezember 2015 um 18:35 Uhr- Antworten

      Lieber Jens,
      die Cavalucci sollte man in italienischen Delikatessenläden kaufen können sowie in italienischen Online-Shops. Die etwas andere Alternative: in der Toskana bzw. direkt in Siena 🙂 Dies ist bestimmt die beste Alternative!

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