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Pisa und der Schiefe Turm
Seit dem 5. Jh.v.Chr. war Pisa
eine etruskische Siedlung am Meer. Im 2. Jh.v.Chr.
wurden diese von den Römern abgelöst, die hier den Portus
Pisanus bauten, der zu einem wichtigen
Flottenstützpunkt wurde. Abgesehen von den Sarkophagen und
den Ruinen der Thermen, ist von dem römischen Imperium fast
nichts mehr übriggeblieben. Nach dem Untergang des
Römischen Reiches, war Pisa für die Goten, Langobarden und
Karolinger eine wichtige Hafenstadt, um die Sarazenen zu
bekämpfen.
Pisa war es im 11. Jahrhundert gelungen, eine der
vier mächtigen italienischen Seerepubliken zu werden
(gemeinsam mit Genua, Venedig, Pisa und
Amalfi). Mit dem Gold, das aus den Kämpfen gegen die
Sarazenen stammte, wurde der Dombau finanziert. In
dieser Zeit begann auch die Geschichte, die für Pisa
jährlich Millionen von Besuchern aus der ganzen Welt
anzieht: der Bau des Campanile (dt. Glockenturm) des
Doms, bekannt unter dem Namen der Schiefe Turm von Pisa
(it. la Torre Pendente).
Alle Monumente der Piazza wurden
mit Marmor aus Carrara erbaut. Nach sechs Jahren Bau
und bis zum dritten Stock angelangt, ließ der Architekt Bonanno
Pisano die Arbeiten stoppen, da eine Bodensenkung den
Turm kippen ließ. Heute glaubt man, dass es nicht nur die
Bodenbedingungen waren, die zur Neigung des Turms führten,
sondern auch das enorme Gewicht des Turmes. Nach neueren
Berechnungen soll der Turm ein Gewicht von über tausend
Lastzügen haben und das auf einer so kleinen Fläche!
Als sich Pisa auf die Seiten der Ghibellinen
(Anhänger der Hohenstaufen) stellte, erhielt die Stadt von
Friedrich I. Barbarossa die Konzession des Küstenstriches
von Portovenere (Ligurien) bis Civitavecchia (Latium) sowie
die Lehensrechte für Neapel, Amalfi, Salerno, Kalabrien und
Sizilien.
Es gab ständig Streit mit dem
nahegelegenen Lucca, dem Gegner Genua sowie Florenz. Lucca
und Florenz, beide in den Händen der Guelfen
(Papstanhänger), verbündeten sich schließlich gegen Pisa.
Ende des 13. Jahrhunderts, 90
Jahre nach dem Arbeitsstillstand an dem Schiefen Turm, nahm
ein weiterer Architekt, Giovanni di Simone, die Arbeit
wieder auf. Er versuchte die Neigung des Turmes zu
korrigieren.
1284 verlor Pisa die Schlacht Battaglia
della Meloria gegen die Seemacht Genua und mit
ihr fast die gesamte Flotte. Um die Schlacht zu gewinnen,
bediente sich der Gegner eines Tricks: die Genuesen liefen
mit 60 Schiffen im Hafen von Pisa ein. Weitere 40 Schiffe
hielten sich in einer nahegelegenen Bucht unterhalb des
Montenero (südlich von Livorno), versteckt. Siegessicher
erschienen die Pisaner mit 102 Schiffen. Als unerwartet die
40 weiteren Schiffe der Genuesen erschienen, verlor die
pisanische Flotte im Überraschungseffekt die Schlacht.
Dieser Verlust brachte die Stadt zum Verfall. Der Verfall
bedeutete auch finanzielle Probleme für den Turmbau.
Trotzdem schaffte man es 1350 den Turm mit insgesamt
sieben Stockwerken und 56 m Höhe fertigzustellen. In dieser
Zeit war Pisa bereits, auf Grund von Geröllablagerungen,
welche durch den Fluß Arno transportiert wurden, etwa 8 km
vom Meer entfernt.
Pisa ist auch die Geburtsstadt von Galileo
Galilei, Astronom, Physiker, Mathematiker und Gründer
der Versuchsmethode. Bereits 1583 entdeckte er das
Pendelgesetz sowie die hydrostatische Waage. Sieben Jahre
später lehrte er als Mathematikprofessor an der
Universität Padua, wo er auch das Fernrohr erfand, mit dem
er die Mondoberfläche, den Bau der Milchstraße, die Venus,
die Umdrehung der Sonne um die eigene Achse sowie den
Jupiter sehen konnte.
Bombenangriffe zerstörten während des zweiten Weltkrieges einen
großen Teil des Camposanto, der Kirchen und Paläste im
südlichen Teil der Stadt.
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